Kostenvoranschlag oder Schadengutachten?

Kfz-Gutachten oder KostenvoranschlagAls Kfz-Sachverständige werden wir immer wieder gefragt, ob nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall – also bei einem Haftpflichtschaden – die Erstellung eines Kostenvorschlages durch eine Kfz-Werkstatt nicht ausreicht, um den Schaden am eigenen Fahrzeug zu beziffern.

Wir sagen NEIN! Dazu klären wir erst einmal die Begrifflichkeiten.

Was ist ein Kostenvoranschlag?

Ein Kostenvoranschlag ist das Angebot einer Kfz-Werkstatt, eine Reparatur an einem Kfz zu einem bestimmten Preis zu erledigen. Im Klartext: Was kostet die Instandsetzung des beschädigten Fahrzeugs?

Aber Sie müssen folgendes bedenken:

  1. Durch den Unfall, in dem Sie schuldlos verwickelt waren, hat Ihr Fahrzeug u. U. an Wert verloren, auch wenn es fachmännisch repariert wird. Dafür steht Ihnen eine Entschädigung zu, die Summe für die Wertminderung. Ein Kostenvoranschlag einer Werkstatt enthält diese Position nicht.
  2. Solange Ihr Fahrzeug in der Werkstatt zur Reparatur ist, haben Sie ein Anrecht auf eine Nutzungsausfallentschädigung. Auch diese Summe werden Sie in einem Kostenvoranschlag einer Kfz Werkstatt vergeblich suchen. Dafür brauchen Sie ein Gutachten eines Kfz Sachverständigen.
  3. Durch einen Kostenvoranschlag einer Reparaturwerkstatt ist kein Beweis erbracht, dass diese Reparatur dem betreffenden Unfallschaden zuzuordnen ist, weil ein Kostenvoranschlag nicht die Beweisfunktion hat, die einem Sachverständigengutachten zugeschrieben wird. Sollte der Kostenvoranschlag der Werkstatt zudem nicht gründlich genug sein – da z. B. erst bei der Demontage weitere Beschädigungen festgestellt werden – besteht die Gefahr, nach einer erst später durchgeführten Instandsetzung die tatsächlichen (höheren) Instandsetzungskosten nicht erstattet zu bekommen.

Da viele Geschädigte den Unfallschaden fiktiv abrechnen, d. h. sich die Reparaturkosten auszahlen lassen möchten, sind die meisten Werkstätten dazu übergegangen, für Kostenvoranschläge eine Vergütung zu verlangen. Zu Recht, wie wir finden. Warum auch sollte ein Werkstattmitarbeiter seine kostbare Arbeitszeit damit verschwenden, einem Geschädigten einen Kostenvoranschlag anzufertigen, der aber im Anschluss gar nicht dort reparieren lässt.

Üblicherweise wird für einen Kostenvoranschlag eine Pauschale von 10 % der kalkulierten Reparaturkosten in Rechnung gestellt. Das heißt, bei einem Schaden von 1.500,00 EUR werden 150,00 EUR fällig, die Sie als Geschädigter vorab bezahlen müssen. Und die gegnerischen Versicherungen sind in den allermeisten Fällen nicht bereit, diese Kosten zu erstatten. Außer Sie sind bereit, einen langwierigen Rechtsstreit zu führen. (Lassen Sie Ihr Kfz in der Werkstatt reparieren, rechnet man Ihnen den Betrag natürlich an.)

Ein Kostenvoranschlag gibt also nur über die voraussichtlichen Reparaturkosten Auskunft, aber nicht über den tatsächlich entstandenen Schaden an Ihrem Fahrzeug!

Nur wenn ein Bagatellschaden vorliegt – also ein Schaden, den ein Laie selbst als ganz einfach gelagerte Beschädigung einschätzen kann – reicht es, wenn Sie einen Kostenvoranschlag bei einer Werkstatt einholen. Im Regelfall handelt es sich dabei um reparaturwürdige Schäden bis zu einer Höhe von ca. 750,00 EUR inkl. MwSt. Aber auch nur da!

Bei allen anderen Schäden sollte die Grundlage der Schadensregulierung immer ein Unfallgutachten sein!

Wenn ein Geschädigter nicht sicher ist, ob ein Bagatellschaden vorliegt oder nicht, wird sich ein seriöser Sachverständiger immer als erstes ein Bild über den Schaden machen und dem Unfallgeschädigten dann mitteilen, ob die Erstellung eines Unfallgutachtens gerechtfertigt bzw. notwendig ist.

Es steht dem Geschädigten eines unverschuldeten Verkehrsunfalles nämlich grundsätzlich zu, einen Kfz-Gutachter (oftmals daher auch als Unfallgutachter bezeichnet) seiner Wahl hinzuzuziehen und sich ein Gutachten erstellen zu lassen.

Die Kosten für das Unfallgutachten muss die Haftpflichtversicherung des unfallverursachenden Kfz übernehmen.

Was ist ein Schadengutachten?

Ein Kfz-Schadengutachten bzw. Unfallgutachten ist ein durch einen Sachverständigen erstelltes Dokument (der allgemeine Begriff dafür lautet Sachverständigengutachten), in dem der eingetretene Schaden an einem Kfz nachvollziehbar und nachprüfbar festgestellt und beurteilt wird. Die Mitarbeiter unseres Ingenieur- und Kfz-Sachverständigenbüros fertigen die Gutachten dabei grundsätzlich neutral, unabhängig und weisungsfrei an. Ein Gutachten wird so formuliert, dass der vorliegende Sachverhalt auch für einen technischen Laien bzw. Nichtfachmann verständlich und nachvollziehbar ist.

Dabei gewährleistet die vollständige Beweissicherung durch einen unabhängigen Gutachter dem Geschädigten, dass die Schadenersatzansprüche in vollem Umfang erstattet werden können. Eine Beweissicherung über die Schadensart und den Schadensumfang kann mitunter später wichtig werden, falls es Streit über den Schadenshergang oder Meinungsverschiedenheiten über die Reparaturdurchführung gibt. Hier kann nur ein Kfz-Gutachten helfen.

Wenn das instand gesetzte Fahrzeug später verkauft werden soll – ein Vorschaden ist im Regelfall offenbarungspflichtig – so kann man anhand des Gutachtens dem Interessenten den genauen Schadensumfang und den Reparaturweg belegen.

Ein Kfz-Gutachten gibt also nicht nur über die voraussichtlichen Reparaturkosten Auskunft, sondern beinhaltet u.a. auch Angaben über:

  • technische Fahrzeugdaten
  • Zubehör und Ausstattung
  • Eigentumsverhältnis
  • reparierte und nicht reparierte Vorschäden
  • Fahrfähigkeit und Verkehrssicherheit des Fahrzeuges
  • eine ggfs. durchzuführende Notreparatur, um das damit wieder verkehrssicher gemachte Kfz vorerst weiter nutzen zu können
  • Schadenhergang
  • Schadenbeschreibung
  • Plausibilität des Schadenbildes zum geschilderten Schadenhergang
  • Dauer der Reparatur
  • Reparaturwürdigkeit
  • Reparaturweg (Reparaturablaufplan)
  • Wiederbeschaffungswert
  • Wiederbeschaffungsdauer
  • Restwert
  • ggfs. eingetretene Wertminderung
  • Nutzungsausfall
  • ggfs. Abzüge für Wertverbesserung
  • mögliche Reparaturrisiken und -ausweitungen

Diese Positionen werden in einem Kostenvoranschlag nicht berücksichtigt. Es sind aber alles wichtige Angaben, die zur Geltendmachung des vollständigen Schadenersatzanspruches gegenüber des Unfallverursachers bzw. dessen Versicherung benötigt werden. Außerdem beinhaltet ein Gutachten – im Gegensatz zu einem Kostenvoranschlag einer Werkstatt – auch immer eine ausführliche, detaillierte Fotodokumentation.

Nach einem unverschuldeten Unfall daher immer ein Gutachten erstellen lassen.

In jedem Fall ist die Einschaltung eines qualifizierten unabhängigen Kfz-Gutachters der sichere Weg.

Nur ein unabhängiges Kfz-Gutachten dient somit der Beweissicherung. Ein Geschädigter sollte daher nie auf sein Recht verzichten, einen freien Kfz-Gutachter zu beauftragen!

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